Ich bin kürzlich auf ein Projekt angesprochen worden. Baubesprechung war um 14 Uhr, der Planer auf der anderen Seite brauchte bis dahin eine Rückmeldung zu drei geänderten LV-Positionen. Problem: Ich war nicht im Büro. Kein Windows-Rechner in Reichweite, nur ein iPad und mein Telefon.

Vor zwei Jahren hätte ich absagen müssen. Meine Tools liefen auf Windows, meine Dateien lagen auf dem Bürorechner, und remote arbeiten hieß bestenfalls: TeamViewer auf dem Handy mit Zoom-Gesten auf winzigen Buttons. Heute habe ich die Positionen in zehn Minuten geprüft, die Rückmeldung geschickt und war pünktlich zum Kaffee vor der Baubesprechung.

Was sich geändert hat? Nicht mein iPad — sondern meine Werkzeuge.

Das Windows-Problem in der TGA-Branche

Die TGA-Planung ist eine der letzten Branchen, die fast vollständig an Windows gebunden ist. AVA-Software, CAD-Programme, Berechnungstools für Heizlast und Rohrnetz — alles läuft auf Windows. Viele Programme sind nicht einmal webfähig, sondern erfordern lokale Installationen mit Dongle oder Netzwerklizenz.

Das war jahrelang kein Problem, weil Planer ohnehin am Schreibtisch saßen. Aber die Arbeitswelt hat sich verändert:

Die Windows-Bindung wird zum operativen Nachteil — nicht weil Windows schlecht ist, sondern weil es die Arbeit an einen Ort und ein Gerät kettet.

Was „browserbasiert" in der Praxis bedeutet

Browserbasierte Tools laufen überall dort, wo ein Browser läuft — Windows, Mac, iPad, Android-Tablet, sogar auf dem Smartphone, wenn es sein muss. Keine Installation, keine Updates, die man selbst einspielen muss, keine Lizenzdongles.

Für ein TGA-Büro heißt das konkret:

„Ich will planen, nicht administrieren. Jede Stunde, die ich mit Software-Updates verbringe, ist eine Stunde, die ich nicht planen kann."

Wo es funktioniert — und wo (noch) nicht

Nicht jede Aufgabe lässt sich heute schon sinnvoll im Browser erledigen. CAD-Arbeit — insbesondere komplexe 3D-Modellierung — braucht nach wie vor leistungsfähige lokale Software. Heizlastberechnungen nach DIN EN 12831 oder Rohrnetzberechnungen laufen in spezialisierten Programmen, die nicht browserbasiert verfügbar sind.

Aber: Die Mehrheit der täglichen Büroarbeit in einem TGA-Planungsbüro ist nicht CAD. Es ist Kommunikation, Prüfung, Dokumentation und Verwaltung. Und genau diese Aufgaben lassen sich heute problemlos im Browser erledigen:

Sicherheit — die berechtigte Frage

Die erste Reaktion vieler Planer auf „Cloud" und „Browser" ist: „Und wo liegen meine Daten?" Das ist eine berechtigte Frage, und sie verdient eine ehrliche Antwort.

Seriöse browserbasierte Tools speichern Daten verschlüsselt auf Servern in der EU — idealerweise in Deutschland. Die Verbindung läuft über HTTPS, Zugangsdaten werden verschlüsselt gespeichert, und Backups erfolgen automatisch. Das ist in den meisten Fällen sicherer als eine lokale Festplatte ohne Backup und mit dem Windows-Passwort „Sommer2024".

Trotzdem: Bei besonders sensiblen Projektdaten — etwa bei Bauvorhaben mit Geheimhaltungsvereinbarung — muss man prüfen, ob die jeweilige Lösung die Anforderungen erfüllt. Pauschale Ablehnung von Cloud-Lösungen ist genauso falsch wie pauschales Vertrauen.

Fazit

Plattformunabhängiges Arbeiten ist kein Luxus und kein Trend — es ist eine praktische Notwendigkeit für TGA-Büros, die flexibel arbeiten wollen. Die Technik ist da. Die Frage ist nur, ob man sie nutzt oder weiterhin an den Schreibtisch gefesselt bleibt.